Satzung

Gemeindeordnung

der evang.-luth. Paul-Gerhardt-Gemeinde
(Evang.-Luth. Freikirche) in Kleinmachnow, Altmark und Prignitz

Vorwort
Gott ist ein Gott der Ordnung und er ermahnt uns deshalb durch den Apostel Paulus, in den christlichen Gemeinden alles ehrlich und ordentlich zugehen zu lassen (1Kor 14,33+40). Im Gehorsam gegenüber diesem Wort Gottes und nach dem Vorbild vorangegangener Generationen legen wir als evangelisch-lutherische Kirchengemeinde in den folgenden Artikeln die Ordnung fest, nach der wir unsere inneren und äußeren Angelegenheiten regeln wollen. Trotzdem meinen wir nicht, durch diese oder irgendeine andere Kirchenordnung das Bestehen und Gedeihen unserer Gemeinde sichern zu können. Wir setzen unsere Hoffnung vielmehr ganz auf die freie Gnade und den Segen unseres Gottes.

Artikel I: Name und Sitz der Gemeinde
Die unterzeichnete Kirchengemeinde ist Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Freikirche (Körperschaft des öffentlichen Rechts[1]). Sie führt den Namen “Evangelisch-Lutherische Paul-Gerhardt-Gemeinde” der Evang.-Lutherischen Freikirche. Ihr Sitz ist in 14532 Kleinmachnow, Geschwister-Scholl-Allee 43 (Pfarramt).

Artikel II: Das Bekenntnis
Die Gemeinde bekennt sich mit der gesamten rechtgläubigen evangelisch-lutherischen Kirche

a) zu der Heiligen Schrift Alten und Neuen Testaments als dem irrtumslosen Wort Gottes und der einzigen Regel und Richtschnur des Glaubens und Lebens und

b) zu sämtlichen Bekenntnisschriften der evangelisch-lutherischen Kirche als der reinen und unverfälschten Erklärung und Darlegung des göttlichen Wortes.

Weil diese Bekenntnisschriften aus Gottes Wort genommen sind, soll jederzeit die Lehre in dieser Gemeinde nach ihnen geführt und geprüft werden. Alle etwa auftretenden Streitigkeiten in Lehr- und Praxisfragen sind nach dieser Regel zu entscheiden.

Die Bekenntnisschriften, welche sich im Konkordienbuch von 1580 gesammelt finden, sind folgende:

– die drei altkirchlichen Bekenntnisse (Apostolikum, Nizänum und Athanasianum),

– die sechs reformatorischen Bekenntnisse (ungeändertes Augsburger Bekenntnis, dessen Apologie, die Schmalkaldischen Artikel, die beiden Katechismen Luthers und die Konkordienformel).

Artikel III: Die Gemeindemitglieder
1. Voraussetzungen

Mitglied der Gemeinde kann nur sein bzw. werden,

– wer die heilige Taufe empfangen hat,

– wer das in Artikel II festgelegte Bekenntnis der Gemeinde teilt,

– wer ein christliches Leben nach Gottes Ordnungen führt,

– wer nicht Mitglied einer Kirche ist, die mit uns keine Kirchengemeinschaft hat.

– wer diese Gemeindeordnung mit trägt. Dazu wird jedem Gemeindemitglied, welches das 18. Lebensjahr vollendet hat, die Gemeindeordnung zur Unterzeichnung vorgelegt.

2. Aufnahme in die Gemeinde

Die Mitgliedschaft in der Gemeinde wird erworben

– bei Kindern von Gemeindegliedern durch die heilige Taufe,

– durch Aufnahme.

Die Aufnahme erfolgt nach abgeschlossener Unterweisung durch Beschluss der Gemeindeversammlung. Vorher hat der Aufzunehmende ein schriftliches Gesuch beim Pastor einzureichen. Dabei müssen die unter Artikel III, Abs. 1 genannten Voraussetzungen erfüllt sein. Mitglieder aus Gemeinden der Ev.-Luth. Freikirche oder aus einer anderen mit uns in Kirchengemeinschaft stehenden Kirchen werden durch schriftliches Kirchenzeugnis überwiesen.

3. Pflichten

Die Aufnahme in die Gemeinde verpflichtet jedes ihrer Mitglieder nach Gottes Wort und in herzlicher Liebe zu Christus

– zu fleißigem Gebrauch der Gnadenmittel (Wort und Sakrament),

– zu christlicher Erziehung der Kinder durch gutes Vorbild und Unterweisung im christlichen Glauben,

– zu angemessenem finanziellem Beitrag zur Erhaltung des Pfarramtes, der Mission und der Kirche,

– zu friedfertiger Unterordnung unter alle dem Wort Gottes nicht zuwiderlaufenden, ordentlichen Gemeindebeschlüsse,

– zur Annahme der brüderlichen Zurechtweisung (nach Mt 18,15-18).

4. Ausschluss

Entspricht ein Mitglied einer der in Artikel III, Abs. 1 u. 3 gestellten Anforderungen nicht, so kann es aus der Gemeinde und damit aus der Evangelischen-Lutherischen Freikirche ausgeschlossen werden. (vgl. Artikel VII)

5. Überweisung

Auf Wunsch kann ein Gemeindeglied durch schriftliche Überweisung in eine andere Gemeinde unserer Kirche oder in eine mit uns in Kirchengemeinschaft stehende Kirche überwiesen werden, wobei dem Ausscheidenden vom Pastor ein Kirchenzeugnis auszustellen ist.

6. Austritt

Der freiwillige Austritt eines Mitgliedes aus der Gemeinde schließt den Austritt aus der Evangelischen-Lutherischen Freikirche ein. Er ist dem Pastor gegenüber schriftlich zu erklären.

7. Folgen von Ausschluss, Überweisung und Austritt

Nach Abs. 4 bis 6 ausgeschiedene Mitglieder der Gemeinde verlieren alle in der Mitgliedschaft begründeten Rechte und Pflichten, einschließlich jeden Anspruch auf das Eigentum der Gemeinde.

Artikel IV: Das Pfarramt
1. Berufung

Die Wahl des Pastors erfolgt durch die Gemeindeversammlung. (s. Art. VI) Zu dieser Versammlung sind alle stimmberechtigten Mitglieder unter Angabe der Tagesordnung gesondert einzuladen. Für die Wahl ist die einfache Mehrheit der erschienenen stimmberechtigten Mitglieder ausreichend, vorausgesetzt, dass von keiner Seite Gewissensbedenken erhoben werden.

Die Gemeinde kann nur einen solchen Pastor ins Predigtamt berufen,

– der Pastor oder Kandidat* unserer Kirche ist und deren Bekenntnishaltung in Lehre und Praxis teilt (siehe Artikel II);

– der die in 1Timotheus 3,1-7 und Titus 1,7-9 angegebenen Eigenschaften eines Dieners am Wort besitzt und

– der sich ohne Einschränkung zu den Artikeln dieser Gemeindeordnung bekennt. (*Kandidat = Vikar nach erfolgreich bestandenem 2. Examen)

In Berufungsfragen sollte auf die Belange der Gesamtkirche und die Berufungsrichtlinie unserer Synode geachtet werden. Die Berufung des Pastors erfolgt auf Lebenszeit (wenn in der Berufungsurkunde nichts anders verankert ist). Dem Gewählten sind in einer Berufungsurkunde die einzelnen Aufgaben seines Amtes bekannt zu machen. Die wichtigsten sind:

– die reine Predigt des Wortes Gottes,

– die Unterweisung der Gemeinde durch Christenlehren und Bibelstunden,

– die unverfälschte Verwaltung der heiligen Sakramente,

– die schriftgemäße Ausübung der Brüderlichen Ermahnung,

– die Durchführung des Konfirmandenunterrichts,

– die Beaufsichtigung bzw. Durchführung der Kinderunterweisung und Jugendarbeit,

– die christliche Seelsorge.

Die Einführung und Verpflichtung des Pastors auf das Bekenntnis der Kirche erfolgt im öffentlichen Gottesdienst.

2. Amtsenthebung

Der Pastor kann seines Amtes durch eine Gemeindeversammlung enthoben werden, die ebenso wie in Artikel IV, Abs. 1 einzuberufen ist. Diese entscheidende Versammlung muss vom Präses der ELFK geleitet werden, der jedoch dabei kein Stimmrecht hat. Die Amtsenthebung des Pastors ist nur möglich:

– wegen beharrlich festgehaltener, gegen die Heilige Schrift und die ev.-luth. Bekenntnisschriften verstoßender falscher Lehre,

– wegen beharrlich festgehaltener schrift- und bekenntniswidriger Praxis,

– wegen grober Vernachlässigung seiner Amtspflichten.

Die Amtsenthebung erfolgt nur, wenn darüber ein Gutachten anderer Pastoren unserer Kirche eingeholt worden ist.

Artikel V: Der Kirchenvorstand
1. Zusammensetzung

Der Vorstand der Gemeinde besteht aus dem Pastor als Vorsitzenden und zwei Kirchenvorstehern. Er wählt unter seinen Mitgliedern einen stellvertretenden Vorsitzenden und einen Schriftführer.

2. Rechnungsführer

Von der Gemeindeversammlung wird ein Mitglied der Gemeinde zum Rechnungsführer gewählt (vgl. Artikel V, Abs. 6). Er kann zugleich Kirchenvorsteher sein. Ist der Rechnungsführer nicht Kirchenvorsteher, dann kann er (sie) als Beisitzer (ohne Stimmrecht) zu den Vorstandssitzungen hinzugezogen werden.

3. Vertretung der Gemeinde

Der Vorstand vertritt die Gemeinde in allen rechtlichen Angelegenheiten.

4. Beschlussfassung

Der Vorstand fasst seine Beschlüsse durch einfache Mehrheit. Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme des Pastors den Ausschlag. Über die gefassten Beschlüsse der Vorstandsitzungen sind Niederschriften anzufertigen und in der nächsten Vorstandssitzung zu bestätigen.

5. Aufgaben der Vorsteher

Die Kirchenvorsteher haben zusammen mit dem Pastor dafür Sorge zu tragen, dass in der Gemeinde alles ordentlich und ehrlich zugeht. Vor allem sollen sie den Pastor bei der Durchführung von Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen sowie beim Besuchsdienst unterstützen, dem Pastor bei der Ausübung der Brüderlichen Ermahnung (vgl. Artikel VII) zur Seite stehen und mit ihm die Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde regeln. Der Kirchenvorstand ist der Gemeindeversammlung gegenüber rechenschaftspflichtig (vgl. Artikel VI, 3).

6. Wahl der Vorsteher und des Rechnungsführers

Die Kirchenvorsteher werden in der ersten Gemeindeversammlung des Jahres auf die Dauer von zwei Jahren aus den stimmberechtigten Gemeindegliedern gewählt. Dabei steht turnusmäßig immer nur ein Vorsteher zur Wahl. Wiederwahl ist zulässig. Bei vorzeitigem Ausscheiden eines Vorstehers erfolgt die Nachwahl in der nächsten Gemeindeversammlung. Der Rechnungsführer wird ebenfalls in der ersten Gemeindeversammlung des Jahres auf die Dauer von vier Jahren gewählt. Ein Vorsteher oder Rechnungsführer(-in) muss das 21. Lebensjahr vollendet haben und mindestens ein Jahr lang Mitglied der Evang.-Luth. Freikirche sein.

7. Amtsenthebung bei Vorstehern und Rechnungsführern

Während ihrer Amtszeit können Kirchenvorsteher und Rechnungsführer wegen grober Pflichtverletzung durch die Gemeindeversammlung (3/4tel-Mehrheit) ihres Amtes enthoben werden.

Artikel VI: Die Gemeindeversammlung
1. Zusammensetzung

Die Gemeindeversammlung besteht aus den stimmberechtigten Gemeindegliedern. Daneben sollen in regelmäßigen Abständen alle erwachsenen Mitglieder der Gemeinde gemeinsam beraten. Solche Gemeindezusammenkünfte haben informativen und meinungsbildenden Charakter ohne Beschlusskraft. Sind Beschlüsse zu fassen, ist dazu die Gemeindeversammlung einzuberufen.

2. Stimmrecht in der Gemeindeversammlung

Das Stimmrecht wird auf schriftlichen Antrag beim Kirchenvorstand durch die Gemeindeversammlung erteilt. Beantragen können das Stimmrecht alle männlichen Gemeindeglieder, die das 18. Lebensjahr vollendet haben. Dabei ist ihnen diese Gemeindeordnung auszuhändigen. Bei der Aufnahme in die Gemeindeversammlung verpflichtet sich der Stimmberechtigte durch Unterschrift, die Bestimmungen der Gemeindeordnung zu befolgen.

3. Stellung der Gemeindeversammlung

Die Gemeindeversammlung ist das höchste Leitungsgremium der Gemeinde und kann Beschlüsse fassen.

4. Einberufung

Gemeindeversammlungen werden vom Pastor oder Vakanzpastor einberufen. Ort, Zeit und Tagesordnung sind im vorhergehenden Gottesdienst bekannt zu geben. Die Gemeindeversammlung muss zusammengerufen werden, wenn es mindestens 10 % der Stimmberechtigten wünschen.

5. Turnus

Die Gemeindeversammlung tritt mindestens zwei Mal im Jahr zusammen.

6. Vorsitz

Den Vorsitz in der Gemeindeversammlung führt der Pastor oder ein Mitglied des Kirchenvorstandes (vgl. Artikel V, Abs. 1).

7. Tagesordnung

Vor jeder Gemeindeversammlung ist vom Vorstand eine Tagesordnung aufzustellen und der Gemeindeversammlung zu Beginn ihrer Sitzung bekannt zu geben. Zusätze zur Tagesordnung sind möglich, wenn die Mehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder zustimmt.

8. Beschlussfähigkeit

Die Gemeindeversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens die Hälfte der Stimmberechtigten des jeweiligen Predigtplatzes mündlich oder schriftlich ihre Stimme abgeben können.

9. Abstimmungen

In Sachen der Lehre entscheidet in der Gemeindeversammlung allein Gottes Wort und das Bekenntnis unserer Kirche. Alle Beschlüsse, die gegen Gottes Wort und das Bekenntnis verstoßen, sind ungültig. Mitteldinge werden durch einfache Mehrheit entschieden, soweit diese Gemeindeordnung nichts anderes vorschreibt.

10. Ausschluss vom Stimmrecht

Ein Gemeindeglied hat kein Stimmrecht in solchen Angelegenheiten, die es selbst betreffen. Nimmt ein Stimmberechtigter trotz Ermahnung unentschuldigt zwei* Jahre lang nicht an den Gemeindeversammlungen teil, wird ihm auf Beschluss der Gemeindeversammlung sein Stimmrecht entzogen. Darüber ist der Betreffende vorher schriftlich in Kenntnis zu setzen.

11. Protokoll

Über die Versammlungen und Beschlüsse der Gemeindeversammlung ist eine Niederschrift anzufertigen, die der nächsten Gemeindeversammlung zur Bestätigung vorzulegen ist. Die Niederschriften sind fortlaufend aufzubewahren.

Artikel VII: Brüderliche Ermahnung
Nach dem Befehl und der Ordnung Christi (Mt 18, 15-18) geht die Gemeindeversammlung öffentlichen und unbußfertigen Sündern nach, indem sie diese nach Mt. 18, 15-18 brüderlich ermahnt. Sollte die in o.g. Bibelstelle beschriebene 3. Stufe der Ermahnung erfolglos sein, muss der Ausschluss in einer Gemeindeversammlung erfolgen. Ein Ausschluss ist nur ohne Gegenstimme möglich. Gegen einen Ausschluss stimmende Mitglieder der Gemeindeversammlung verpflichten sich zu besonderem persönlichem Einsatz, den Betroffenen zu gewinnen. Der Betroffene, gegen den sich das Verfahren richtet, ist vorab schriftlich von der Zeit und dem Ort der Gemeindeversammlung in Kenntnis zu setzen. Unabhängig davon, ob er zu dieser Gemeindeversammlung erscheint oder nicht, ist er schriftlich über den Ausschluss in seelsorgerlicher Weise zu informieren.

Artikel VIII: Auflösung der Gemeinde
Die Gemeinde kann durch Beschluss der Gemeindeversammlung aufgelöst werden. Ein derartiger Beschluss darf nur in einer Gemeindeversammlung gefasst werden, zu der alle Stimmberechtigten schriftlich einzuladen sind. Zu diesem Beschluss ist eine Mehrheit von drei Viertel erforderlich. Bei der Auflösung der Gemeinde fällt das Vermögen der Evangelisch-Lutherischen Freikirche zu.

Kleinmachnow,

Januar 2012

Gemeindesiegel

[1]

Siehe Sächs. Gesetzblatt Nr. 16 vom 30.5.1923, Seite 9